Jahr
1936-1938 / 1943
Text
Heidegger, Martin. BeitrĂ€ge zur Philosophie. (Frankfurt a.M. : Klostermann, 1989).Heidegger schreibt : Aber das Offene, in das, zugleich sich verbergend, je das Seiende hereinsteht, und zwar nicht die nĂ€chsten handlichen Dinge, ist in der Tat so etwas wie eine hohle Mitte. Z.B. die des Kruges. Hier erkennen wir jedoch, dass nicht eine beliebige Leere nur durch die WĂ€nde umschlossen und von âDingenâ unerfĂŒllt gelassen ist, sondern umgekehrt, die hohle Mitte ist das Bestimmend-PrĂ€gende und Tragende fĂŒr die Wandlung der WĂ€nde und ihrer RĂ€nder. Diese sind nur die Ausstrahlung jenes ursprĂŒnglichen Offenen, das seine Offenheit wesen lĂ€sst, indem es solche Wandlung (die GefĂ€ssform) um sich herum und auf sich zu fordert. So strahlt im Umschliessenden die Wesung des Offenen wider.Laozi schreibt im 11. Kapitel in der Ăbersetzung von Victor von Strauss : "Dreissig Speichen treffen auf eine Nabe. GemĂ€ss ihrem Nicht-sein ist des Wagens Gebrauch. Man erweicht Ton, um ein GefĂ€ss zu machen. GemĂ€ss seinem Nicht-sein ist des GefĂ€sses Gebrauch. Man bricht TĂŒr und Fenster aus, um ein Haus zu machen. GemĂ€ss ihrem Nicht-sein ist des Hauses Gebrauch. Darum : Das Sein bewirkt den Nutzen. Das Nicht-sein bewirkt den Gebrauch".Heidegger interpretiert 1943 dieses Kapitel. In : Zu Hölderlin : Griechenlandreisen. (Frankfurt a.M. : V. Klostermann, 2000).Dreissig Speichen treffen die Nabe. Aber das Leere zwischen ihnen gewĂ€hrt das Sein des Rades. Aus dem Ton ent-stehen die GefĂ€sse. Aber das Leere in ihnen gewĂ€hrt das Sein des GefĂ€sses. Mauern und Fenster und TĂŒren stellen das Haus dar. Aber das Leere zwischen ihnen gewĂ€hrt das Sein des Hauses. Das Seiende ergibt die Brauchbarkeit. Das Nicht-Seiende gewĂ€hrt das Sein. Chung Chen-yu : Heidegger verwendet, was auch im 1. und 11. Kapitel des Dao de jing zu finden ist. Laozi sagt, dass das Nichts (die Leere) im Krug (GefĂ€ss) den eigentlichen Gebrauch (yong) dieses Dings ausmache. Heidegger ĂŒbersetzt das yong (Gebrauch) Laozis durch Sein. Er möchte hierâŠ
Heidegger, Martin. BeitrÀge zur Philosophie. (Frankfurt a.M. : Klostermann, 1989).
Heidegger schreibt : Aber das Offene, in das, zugleich sich verbergend, je das Seiende hereinsteht, und zwar nicht die nĂ€chsten handlichen Dinge, ist in der Tat so etwas wie eine hohle Mitte. Z.B. die des Kruges. Hier erkennen wir jedoch, dass nicht eine beliebige Leere nur durch die WĂ€nde umschlossen und von âDingenâ unerfĂŒllt gelassen ist, sondern umgekehrt, die hohle Mitte ist das Bestimmend-PrĂ€gende und Tragende fĂŒr die Wandlung der WĂ€nde und ihrer RĂ€nder. Diese sind nur die Ausstrahlung jenes ursprĂŒnglichen Offenen, das seine Offenheit wesen lĂ€sst, indem es solche Wandlung (die GefĂ€ssform) um sich herum und auf sich zu fordert. So strahlt im Umschliessenden die Wesung des Offenen wider.
Laozi schreibt im 11. Kapitel in der Ăbersetzung von Victor von Strauss : "Dreissig Speichen treffen auf eine Nabe. GemĂ€ss ihrem Nicht-sein ist des Wagens Gebrauch. Man erweicht Ton, um ein GefĂ€ss zu machen. GemĂ€ss seinem Nicht-sein ist des GefĂ€sses Gebrauch. Man bricht TĂŒr und Fenster aus, um ein Haus zu machen. GemĂ€ss ihrem Nicht-sein ist des Hauses Gebrauch. Darum : Das Sein bewirkt den Nutzen. Das Nicht-sein bewirkt den Gebrauch".
Heidegger interpretiert 1943 dieses Kapitel. In : Zu Hölderlin : Griechenlandreisen. (Frankfurt a.M. : V. Klostermann, 2000).
Dreissig Speichen treffen die Nabe. Aber das Leere zwischen ihnen gewĂ€hrt das Sein des Rades. Aus dem Ton ent-stehen die GefĂ€sse. Aber das Leere in ihnen gewĂ€hrt das Sein des GefĂ€sses. Mauern und Fenster und TĂŒren stellen das Haus dar. Aber das Leere zwischen ihnen gewĂ€hrt das Sein des Hauses. Das Seiende ergibt die Brauchbarkeit. Das Nicht-Seiende gewĂ€hrt das Sein.
Chung Chen-yu : Heidegger verwendet, was auch im 1. und 11. Kapitel des Dao de jing zu finden ist. Laozi sagt, dass das Nichts (die Leere) im Krug (GefĂ€ss) den eigentlichen Gebrauch (yong) dieses Dings ausmache. Heidegger ĂŒbersetzt das yong (Gebrauch) Laozis durch Sein. Er möchte hier sein eigenes Denken erörtern : Das Offene als Leere gewĂ€hrt das Sein. Die WĂ€nde und RĂ€nder des Kruges sind nur die 'Ausstrahlung' dieser Leere.
Heidegger schreibt : Aber das Offene, in das, zugleich sich verbergend, je das Seiende hereinsteht, und zwar nicht die nĂ€chsten handlichen Dinge, ist in der Tat so etwas wie eine hohle Mitte. Z.B. die des Kruges. Hier erkennen wir jedoch, dass nicht eine beliebige Leere nur durch die WĂ€nde umschlossen und von âDingenâ unerfĂŒllt gelassen ist, sondern umgekehrt, die hohle Mitte ist das Bestimmend-PrĂ€gende und Tragende fĂŒr die Wandlung der WĂ€nde und ihrer RĂ€nder. Diese sind nur die Ausstrahlung jenes ursprĂŒnglichen Offenen, das seine Offenheit wesen lĂ€sst, indem es solche Wandlung (die GefĂ€ssform) um sich herum und auf sich zu fordert. So strahlt im Umschliessenden die Wesung des Offenen wider.
Laozi schreibt im 11. Kapitel in der Ăbersetzung von Victor von Strauss : "Dreissig Speichen treffen auf eine Nabe. GemĂ€ss ihrem Nicht-sein ist des Wagens Gebrauch. Man erweicht Ton, um ein GefĂ€ss zu machen. GemĂ€ss seinem Nicht-sein ist des GefĂ€sses Gebrauch. Man bricht TĂŒr und Fenster aus, um ein Haus zu machen. GemĂ€ss ihrem Nicht-sein ist des Hauses Gebrauch. Darum : Das Sein bewirkt den Nutzen. Das Nicht-sein bewirkt den Gebrauch".
Heidegger interpretiert 1943 dieses Kapitel. In : Zu Hölderlin : Griechenlandreisen. (Frankfurt a.M. : V. Klostermann, 2000).
Dreissig Speichen treffen die Nabe. Aber das Leere zwischen ihnen gewĂ€hrt das Sein des Rades. Aus dem Ton ent-stehen die GefĂ€sse. Aber das Leere in ihnen gewĂ€hrt das Sein des GefĂ€sses. Mauern und Fenster und TĂŒren stellen das Haus dar. Aber das Leere zwischen ihnen gewĂ€hrt das Sein des Hauses. Das Seiende ergibt die Brauchbarkeit. Das Nicht-Seiende gewĂ€hrt das Sein.
Chung Chen-yu : Heidegger verwendet, was auch im 1. und 11. Kapitel des Dao de jing zu finden ist. Laozi sagt, dass das Nichts (die Leere) im Krug (GefĂ€ss) den eigentlichen Gebrauch (yong) dieses Dings ausmache. Heidegger ĂŒbersetzt das yong (Gebrauch) Laozis durch Sein. Er möchte hier sein eigenes Denken erörtern : Das Offene als Leere gewĂ€hrt das Sein. Die WĂ€nde und RĂ€nder des Kruges sind nur die 'Ausstrahlung' dieser Leere.
ErwÀhnte Personen (1)
Themengebiete (1)
- Philosophie âș Europa âș Deutschland
Dokumente (1)
| Jahr | Bibliografische Daten | Typ / AbkĂŒrzung | VerknĂŒpfte Daten |
|---|---|---|---|
| 2006 |
Chung, Chen-yu. Lebensweisheit und Weltoffenheit : ein Vergleich zwischen dem daoistischen wuwei und der heideggerschen Gelassenheit. (Nordhausen : T. Bautz, 2006). Diss. Bergische Univ. Wuppertal,âŠ
S. S. 219-221
Chung, Chen-yu. Lebensweisheit und Weltoffenheit : ein Vergleich zwischen dem daoistischen wuwei und der heideggerschen Gelassenheit. (Nordhausen : T. Bautz, 2006). Diss. Bergische Univ. Wuppertal, 2005.
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Publication / Heid106 |
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