1923-1924

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Jahr

1923-1924

Text

[Nietzsche, Friedrich]. Ya yan yu zi li : gao wo ai du Chalatusiquala de you ren [ID D18308].Guo Moruo schreibt : Vor einigen Jahren war Nietzsches Denken im Inland mit einem diffusen Bild vermittelt worden. Von seinem Gesamtwerk ist kein einziges im ganzen übersetzt. Sogar das berühmteste Werk Also sprach Zarathustra – trotz einer Annonce der Übersetzung des Werks vor Jahren – wurde bislang nicht übersetzt… Anfänglich übersetzte ich jede Woche ein Stück und hatte Freude daran. Es kam nur zu spärlichen Reaktionen. Ab und zu befragte ich Freunde. Die sagten, dass es schwer zu verstehen wäre. Deshalb verlor ich allmählich den Mut, weiter zu übersetzen.Nach Abschluss der Übersetzung schreibt er in einem Artikel, als Reaktion auf zahlreiche Leserbriefe, die Zarathurstra als schwer verständlich bezeichnen und den Übersetzer um eine Interpretation bitten : Die Werke oder Gedanken eines Menschen zu interpretieren, ist eine schwierige Angelegenheit, erst recht, wenn es sich um ein so schwer zu durchdringendes Werk und einen to tiefschürfenden Autor handelt. Wer den Text nicht versteht, dem bleibt nichts anderes übrig, als konzentriert zu lesen und gründlich nachzudenken, mit anderen Worten : zu warten. Wer wartet, bis er mit seinen eigenen Erfahrungen weitergekommen ist, dem wird sich zuletzt ein gründliches Verständnis des Textes offenbaren. Wer in seinem Verständnis weitergekommen ist, darf darüber hinaus nicht gleichgültig bleiben, sondern braucht einen kritischen Blick und muss im Rahmen seiner Fähigkeiten in der Lage sein, das Werk zu negieren. Erst dann kann das Leben des Werks zum eigenen Leben und das Herzblut des Autors zum eigenen Herzblut werden.Später schreibt er : Schliesslich konnte das Buch nicht übersetzt werden, aus dem Grund, da ich es in der Tat 'ablehnte'. Da sich die Bewegung der chinesischen Revolution weiter entwickelte, musste ich nicht hinaus- sondern hinabblicken. Die revolutionäre Bewegung entfernte mich von Nietzsche. Lu Xun übersetzte nur die…
[Nietzsche, Friedrich]. Ya yan yu zi li : gao wo ai du Chalatusiquala de you ren [ID D18308].
Guo Moruo schreibt : Vor einigen Jahren war Nietzsches Denken im Inland mit einem diffusen Bild vermittelt worden. Von seinem Gesamtwerk ist kein einziges im ganzen übersetzt. Sogar das berühmteste Werk Also sprach Zarathustra – trotz einer Annonce der Übersetzung des Werks vor Jahren – wurde bislang nicht übersetzt… Anfänglich übersetzte ich jede Woche ein Stück und hatte Freude daran. Es kam nur zu spärlichen Reaktionen. Ab und zu befragte ich Freunde. Die sagten, dass es schwer zu verstehen wäre. Deshalb verlor ich allmählich den Mut, weiter zu übersetzen.
Nach Abschluss der Übersetzung schreibt er in einem Artikel, als Reaktion auf zahlreiche Leserbriefe, die Zarathurstra als schwer verständlich bezeichnen und den Übersetzer um eine Interpretation bitten : Die Werke oder Gedanken eines Menschen zu interpretieren, ist eine schwierige Angelegenheit, erst recht, wenn es sich um ein so schwer zu durchdringendes Werk und einen to tiefschürfenden Autor handelt. Wer den Text nicht versteht, dem bleibt nichts anderes übrig, als konzentriert zu lesen und gründlich nachzudenken, mit anderen Worten : zu warten. Wer wartet, bis er mit seinen eigenen Erfahrungen weitergekommen ist, dem wird sich zuletzt ein gründliches Verständnis des Textes offenbaren. Wer in seinem Verständnis weitergekommen ist, darf darüber hinaus nicht gleichgültig bleiben, sondern braucht einen kritischen Blick und muss im Rahmen seiner Fähigkeiten in der Lage sein, das Werk zu negieren. Erst dann kann das Leben des Werks zum eigenen Leben und das Herzblut des Autors zum eigenen Herzblut werden.
Später schreibt er : Schliesslich konnte das Buch nicht übersetzt werden, aus dem Grund, da ich es in der Tat 'ablehnte'. Da sich die Bewegung der chinesischen Revolution weiter entwickelte, musste ich nicht hinaus- sondern hinabblicken. Die revolutionäre Bewegung entfernte mich von Nietzsche. Lu Xun übersetzte nur die Vorrede des Buches, ohne das ganze Buch, wohl auch aus demselben Grund.

Raoul David Findeisen : Guo Moruo bezeichnet sich selber als für eine Interpretation Nietzsches weder zuständig noch qualifiziert. Stattdessen verweist er die Leser auf Nietzsches Schwester und deren Werk Die Entstehung von Zarathustra. Er erwähnt auch Nietzsches eigene Bedenken hinsichtlich der Verständlichkeit des Werkes. Aufgrund seines heroischen Individualismus hebt Guo Moruo Nietzsches Neigung zum 'Geniekult' hervor. Er begreift den Umstand, dass Zarathustra seine Sprüche an ‚Grosse und Hochwüchsige’ richtet, als Aufforderung, sich ausschliesslich auf die eigenen Kräfte zu verlassen, so auch bei der Interpretation von Nietzsches Werk. Er unterscheidet zwischen der Fähigkeit zu verstehen und der Fähigkeit zu kritisieren.
Guo Moruo hat in seinem Aufsatz kein einziges Mal den Begriff des ‚Übermenschen’ erwähnt. Daraus lässt sich schliessen, dass sich sein Verständnis dieses Ideals seit seinem 'Loblied auf die Banditen' nicht gewandelt hat. Andererseits unternimmt er auch nicht den naheliegenden Versuch, den 'Übermenschen' mit seinem immer noch virulenten Heroismus zu verbinden.

Yu Longfa : Guo Moruo hat auf eine Übersetzung der Vorrede verzichtet. Die übrigen Teile bestehen aus zusammenhanglosen Abschnitten. Deshalb bereitet seine Übersetzung den Lesern Schwierigkeiten, da sie ohne Zugang der wichtigen Vorrede, direkt in einzelne Abschnitte eingeführt werden. Die Übersetzung von Guo Moruo führen zu einer grösseren Verbreitung und Intensivierung der Rezeption der Gedanken Friedrich Nietzsches.

Shao Lixin : Guo Moruo needed Nietzsche in his effort to create a better mankind and he needed Marx to simulate a battle against capitalism. His essays and his incomplete translation demonstrate beyond doubt, that he understood neither Nietzsche nor Marx at that time. He admired Nietzsche as a literary genius and continued to respect him after his conversion to marxism.

Erwähnte Personen (2)

Themengebiete (1)

  • Philosophie › Europa › Deutschland

Dokumente (3)

Jahr Bibliografische Daten Typ / Abkürzung Verknüpfte Daten
1989-1990 Findeisen, Raoul David. Die Last der Kultur : vier Fallstudien zur chinesischen Nietzsche-Rezeption. In : Miima sinica ; 2 (1989)-1 (1990). S. S. 37-40 Publication / Find2
1999 Shao, Lixin. Nietzsche in China. (New York, N.Y. : Lang, 1999). (Literature and the sciences of Man ; vol. 11). S. S. 40 Publication / Shao1
2000 Yu, Longfa. Begegnungen mit Nietzsche : ein Beitrag zu Nietzsche-Rezeptionstendenzen im chinesischen Leben und Denken von 1919 bis heute. Diss. Univ. Wuppertal, 2000.
deposit.ddb.de. S. S. 20, 95-96
Publication / Yu1