Schweitzer, Albert

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(Kaysersberg bei Colmar 1875-1965 Lambarene, Gabun) : Deutsch-elsÀssischer Theologe, Philosoph, Arzt, Musiker

Themengebiete (4)

  • Medizin und Pharmazie
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Chronologische EintrÀge (1)

Jahr Text VerknĂŒpfte Daten
1937-1940
Schweitzer, Albert. Geschichte des chinesischen Denkens [ID D15779].Schweitzer schreibt : Was die chinesische Ethik durch die Jahrhunderte hindurch in der Erziehung der Einzelnen und der Völker

Schweitzer, Albert. Geschichte des chinesischen Denkens [ID D15779].
Schweitzer schreibt : Was die chinesische Ethik durch die Jahrhunderte hindurch in der Erziehung der Einzelnen und der Völker geleistet hat, ist grossartig. Nirgends auf der Welt hat es eine auf ethischen Ideen beruhende Kultur gegeben, die sich mit der auf dem Boden Chinas bestehenden messen kann

Verstanden hat die taoistische Mystik, wer von der Frage der höchsten Art des Wirkens nicht mehr loskommt und sich mit dem Gedanken beschĂ€ftigen muss, dass das, was wir im Tun ausrichten können, wenig ist im Vergleich zu dem Vielen, was auf geistige Weise vollbracht werden muss. Indem wir uns mit der Mystik Lao-tse’s [Laozi] beschĂ€ftigen, idealisieren wir sie. Wir ĂŒbersehen, was an primitiver Denkweise in ihr vorhanden ist. Was in ihr nicht rein geistig gemeint ist, verstehen wir rein geistig, was in ihr nicht rein ethisch gedacht ist, deuten wir rein ethisch. Die taoistische Mystik ist dazu bestimmt, idealisiert zu werden. Sie ist die VorlĂ€uferin der ethischen und lebens- und weltbejahenden Mystik, in der das Denken einst zur Ruhe kommen wird. WĂ€hrend alle andere Mystik aus der Idee der Lebens- und Weltverneinung entsteht und keinen ethischen Charakter hat, grĂŒndet sich die taoistische auf Lebens- und Weltbejahung und will ethisch sein

Der Taoismus nimmt dem Menschen die Unbefangenheit, fĂŒhrt ihn weg vom NĂ€chstliegenden und hĂ€lt ihn, wie der Konfuzianismus, zur Selbstbesinnung an
 Bei den Chinesen steht der Glaube an die sittliche Weltordnung im Hintergrund. Aber nicht so, dass Ethik davon abhĂ€ngig ist


Heiner Roetz : Schweitzer stand in seiner Ethik in der Tradition der AufklĂ€rung, mit einem entschiedenen Bekenntnis zum Rationalismus des 18. Jahrhunderts. Dies musste ihn mit China fast automatisch in BerĂŒhrung bringen, denn die europĂ€ischen AufklĂ€rer hatten den Konfuzianismus fĂŒr die Möglichkeit einer "natĂŒrlichen Moral" aus Vernunft und ohne klerikale Bevormundung gefeiert. Seine BeschĂ€ftigung mit Asien besteht aus einem entschiedenen Bekenntniss zur westlichen RationalitĂ€t. Dies feit ihn gegen die zeittypische Versuchung, die chinesische Ethik im Geist der Lebensphilosophie – mit der seine "Ehrfurcht vor dem Leben" zwar den Leitbegriff, aber nicht den zugrundeliegenden Irrationalismus teilt – und mit ihr im Zeichen des rein Konkreten, Situationsbezogenen, Partikularen und Anschaulichen zu interpretieren. Er hofft sogar, dass China Europa wieder zu dem zurĂŒckbringe, was es verloren hat : die ethischen Überzeugungen der AufklĂ€rung. Er schĂ€tzt an China, wie das 18. Jahrhundert, das "Elementare" und das "NatĂŒrliche", das zugleich das "VernĂŒnftige" ist. Wie die AufklĂ€rer hĂ€lt er es eher mit dem Konfuzianismus, der den Menschen im „Glauben an die Macht des Geistes“ zum "Nachdenken ĂŒber sich selbst" anhalte, wĂ€hrend sich die romantisierende Zivilisationsskepsis der 1920er Jahre im Taoismus wiederfand. China ist fĂŒr ihn nicht primĂ€r Gegenstand eines rein wissenschaftlichen Interesses, sondern ein moralisches Anliegen – der Suche nach den Grundlagen fĂŒr die Entwicklung einer "ethischen Kultur".
Das VerhĂ€ltnis von Ethik und Natur steht im systematischen Kern von Schweitzers Überlegungen zu China wie auch seiner eigenen Philosophie. Arthur Schopenhauer und eigene Erfahrung hat Schweitzer inspiriert, Ethik aus der Natur abzuleiten. Chinesische Ethik ist fĂŒr ihn monistisch, insofern fĂŒr sie das tugendhafte Verhalten den Einklang mit der natĂŒrlichen Weltordnung bedeutet. Durch das ethische Verhalten "befindet sich der Mensch in völliger Übereinstimmung mit der Welt".
Da fĂŒr ihn "die Grösse, auf die alles ankommt, die geistige und sittliche Wertigkeit des Einzelnen" ist und Kultur nicht möglich ist, ohne dass ethische Vernunftideale "von den Einzelnen gedacht werden", kann er sich mit dieser Konsequenz des Taoismus nicht anfreunden. Wenn er letztlich dem Konfuzianismus den Vorzug gibt, dann deshalb, weil er, im Unterschied zu einem verbreiteten MissverstĂ€ndnis, dessen individualethischen Kern erkennt. Auch der songzeitliche Neokonfuzianismus, vor allem Zhu Xi, vermag ihn nicht zu ĂŒberzeugen. Zwar sind die Neokonfuzianer Ethiker, doch bauen sie unter dem Eindruck des Buddhismus die konfuzianische Ethik zu einem problematischen "System" aus, indem sie ihr ein im Grunde taoistisches Fundament unterlegen. So schreibt er bei seiner Darstellung des Neokonfuzianismus, dass die Lehre Konfuzius’ und Mengzis "nur von Gut und Böse zu handeln scheint", sich in Wirklichkeit aber implizit wie selbstverstĂ€ndlich auf das "Naturgeschehen" beziehe, und zwar im Sinne der Weltsicht des Yi jing. Am Menschen und nicht an den "UrkrĂ€ften" Yin und Yang, so erkennt er, "gibt es, ob es eine sittliche Weltordnung gibt oder nicht".

Bibliografie (2)

Jahr Bibliografische Daten Typ / AbkĂŒrzung VerknĂŒpfte Daten
1982
[Schweizer, Albert]. Shihuaizhe. Shihuaizhe zuo zhe ; Gu Zhen yi zhe ; Liang Shiqiu zhu bian. (Taibei : Ming ren chu ban shi ye gu fen you xian gong si, 1982). (Ming ren wei ren zhuan ji quan ji ;

[Schweizer, Albert]. Shihuaizhe. Shihuaizhe zuo zhe ; Gu Zhen yi zhe ; Liang Shiqiu zhu bian. (Taibei : Ming ren chu ban shi ye gu fen you xian gong si, 1982). (Ming ren wei ren zhuan ji quan ji ; 100).
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Publication / LiaS5
2002 Schweitzer, Albert. Geschichte des chinesischen Denkens. (MĂŒnchen : C.H. Beck, 2002). (Werke aus dem Nachlass). [Geschrieben 1937-1940]. Publication / Schwe1