Jahr
1918-1919
Text
Lu, Xun. Sui gan lu [ID D18294].
Raoul David Findeisen : Bezug auf Nietzsche nimmt Lu Xun am häufigsten in seinen 'Glossen'. Er fordert - von Darwin ausgehend, an dessen Evolutionslehre kein Zweifel bestehen kann – seine Zeitgenossen auf, sich anzustrengen und weiterzuentwickeln. Dabei sieht er in Nietzsches Ideal ein auf die Zukunft gerichtetes ethisches Gegenstück zu Darwins Theorie, denn 'obwohl seine Lehre vom Übermenschen sehr vage ist, beruht sie doch auf einer klaren Einschätzung des gegenwärtigen [Zustandes] der Menschheit'. Deutlich ist hier wiederum die Antithese, in der Lu Xun die Evolutionslehre einer vergangenen, naturgesetzlichen und materiellen Entwicklung zuordnet, während der Übermensch eine künftige, durch moralische Motivation des handelnden Individuums vorangetriebene, geistige Entwicklung vorzeichnet, wobei das Individuum im Sinne der Brücken-Metapher Nietzsches als Nahtstelle fungiert. Als sich Lu Xun über Gleichgültigkeit, Stillstand und Selbstzufriedenheit beklagt, fügt er aus Zarathurstra an : "Ich liebe die grossen Verachtenden, weil sie die grossen Verehrenden sind und Pfeile der Sehnsuch nach dem anderen Ufer". Ein weiteres Mal sieht Lu Xun in der Zerstörung eine Voraussetzung, um Kräfte für die Weiterentwicklung freizusetzen, denn Zarathustra fährt fort : "Ich liebe Den, welcher lebt, damit er erkenne, und welcher erkennen will, damit einst der Übermensch lebe. Und so will er seinen Untergang".
Die essayistischen Arbeiten haben Lu Xun das Epitheton eines 'Nietzsche Chinas' eingebracht.
Raoul David Findeisen : Bezug auf Nietzsche nimmt Lu Xun am häufigsten in seinen 'Glossen'. Er fordert - von Darwin ausgehend, an dessen Evolutionslehre kein Zweifel bestehen kann – seine Zeitgenossen auf, sich anzustrengen und weiterzuentwickeln. Dabei sieht er in Nietzsches Ideal ein auf die Zukunft gerichtetes ethisches Gegenstück zu Darwins Theorie, denn 'obwohl seine Lehre vom Übermenschen sehr vage ist, beruht sie doch auf einer klaren Einschätzung des gegenwärtigen [Zustandes] der Menschheit'. Deutlich ist hier wiederum die Antithese, in der Lu Xun die Evolutionslehre einer vergangenen, naturgesetzlichen und materiellen Entwicklung zuordnet, während der Übermensch eine künftige, durch moralische Motivation des handelnden Individuums vorangetriebene, geistige Entwicklung vorzeichnet, wobei das Individuum im Sinne der Brücken-Metapher Nietzsches als Nahtstelle fungiert. Als sich Lu Xun über Gleichgültigkeit, Stillstand und Selbstzufriedenheit beklagt, fügt er aus Zarathurstra an : "Ich liebe die grossen Verachtenden, weil sie die grossen Verehrenden sind und Pfeile der Sehnsuch nach dem anderen Ufer". Ein weiteres Mal sieht Lu Xun in der Zerstörung eine Voraussetzung, um Kräfte für die Weiterentwicklung freizusetzen, denn Zarathustra fährt fort : "Ich liebe Den, welcher lebt, damit er erkenne, und welcher erkennen will, damit einst der Übermensch lebe. Und so will er seinen Untergang".
Die essayistischen Arbeiten haben Lu Xun das Epitheton eines 'Nietzsche Chinas' eingebracht.
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Themengebiete (2)
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