1986

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1986

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Zhang, Yushu. Seelenleben - Terra inkognica : die Akzeptanz von Stefan Zweig in China nach der Kulturrevolution. In : Börsenblatt ; Nr. 20 (1986).Zhang schreibt : In ‘Ungeduld des Herzens’ setzt er den Wesenszug seiner Meisternovellen wie ‘Brief einer Unbekannten’, ‘Schachnovelle’ und ‘Amok’ fort, indem er im Verzicht auf eine große Palette von Gestalten, einen breiten Hintergrund, eine ganze Reihe von farbenprächtigen, pittoresken Sittenbildern und komplizierten, verwickelten Handlungen, die das Interesse der Leser erregen, mit heftigen, wilden, inneren Kämpfen, seltsamen, unberechenbaren Ebben und Fluten der Gefühle, also mit tiefschürfenden, stürmischen Veränderungen und tiefgehenden scharfen Konflikten in der inneren Welt des Menschen versucht, die Leser zu faszinieren und zu reizen.Stefan Zweig zeigt uns, wie der Einfluß der äußeren Umgebung die stürmischen Wogen und Brandungen im Herzen des Helden erregt und wie Ebbe und Flut der inneren Welt die Gefühle, Handlungen und seelischen Krisen der Helden beeinflussen, die schließlich zum tragischen Schicksal dieses jungen Paares führte. Die Vernachlässigung des seelischen Lebens hat zwangsläufig die Schwarz-Weiß-Malerei zur Folge, eine Tendenz, die in der chinesischen Literatur eine Zeitlang grassierte. Die Kunst des Erzählers besteht nicht darin, unbedingt einen Engel und einen Teufel zu erfinden. In den Werken von Zweig findet man den Spruch von Goethe bestätigt: ,Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust.' Das Dämonische und das Menschliche, ja sogar das Übermenschliche, das Gemeine und das Erhabene existieren in den Figuren von Zweig oft parallel zueinander. Es sind keine eindimensionalen Schatten, sondern lebendige Menschen aus Fleisch und Blut. Kein Wunder, daß man seine Werke als wirksame Heilmittel gegen die Schwarz-Weiß-Malerei betrachtet.Ein anderer Faktor, der die Werke von Stefan Zweig bei den Chinesen beliebt macht, ist der poetische Hauch, der durch sein Werk geht und vor allem über seinen…
Zhang, Yushu. Seelenleben - Terra inkognica : die Akzeptanz von Stefan Zweig in China nach der Kulturrevolution. In : Börsenblatt ; Nr. 20 (1986).
Zhang schreibt : In ‘Ungeduld des Herzens’ setzt er den Wesenszug seiner Meisternovellen wie ‘Brief einer Unbekannten’, ‘Schachnovelle’ und ‘Amok’ fort, indem er im Verzicht auf eine große Palette von Gestalten, einen breiten Hintergrund, eine ganze Reihe von farbenprächtigen, pittoresken Sittenbildern und komplizierten, verwickelten Handlungen, die das Interesse der Leser erregen, mit heftigen, wilden, inneren Kämpfen, seltsamen, unberechenbaren Ebben und Fluten der Gefühle, also mit tiefschürfenden, stürmischen Veränderungen und tiefgehenden scharfen Konflikten in der inneren Welt des Menschen versucht, die Leser zu faszinieren und zu reizen.
Stefan Zweig zeigt uns, wie der Einfluß der äußeren Umgebung die stürmischen Wogen und Brandungen im Herzen des Helden erregt und wie Ebbe und Flut der inneren Welt die Gefühle, Handlungen und seelischen Krisen der Helden beeinflussen, die schließlich zum tragischen Schicksal dieses jungen Paares führte. Die Vernachlässigung des seelischen Lebens hat zwangsläufig die Schwarz-Weiß-Malerei zur Folge, eine Tendenz, die in der chinesischen Literatur eine Zeitlang grassierte. Die Kunst des Erzählers besteht nicht darin, unbedingt einen Engel und einen Teufel zu erfinden. In den Werken von Zweig findet man den Spruch von Goethe bestätigt: ,Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust.' Das Dämonische und das Menschliche, ja sogar das Übermenschliche, das Gemeine und das Erhabene existieren in den Figuren von Zweig oft parallel zueinander. Es sind keine eindimensionalen Schatten, sondern lebendige Menschen aus Fleisch und Blut. Kein Wunder, daß man seine Werke als wirksame Heilmittel gegen die Schwarz-Weiß-Malerei betrachtet.
Ein anderer Faktor, der die Werke von Stefan Zweig bei den Chinesen beliebt macht, ist der poetische Hauch, der durch sein Werk geht und vor allem über seinen Frauengestalten schwebt. Das kommt bei chinesischen Lesern gut an, die, durch ihre klassische Literatur und Malerei geschult, immer eine Zuneigung zum Poetischen und Lyrischen haben.

Erwähnte Personen (1)

Themengebiete (2)

  • Literatur › Westen › Österreich
  • Übersetzer

Dokumente (1)

Jahr Bibliografische Daten Typ / Abkürzung Verknüpfte Daten
1999 Zhang, Yushu. Österreichische Literatur in China. In : Internet-Zeitschrift für Kulturwissenschaften ; Nr. 7 (1999).
inst.at.
Web / ZhaYu1