Jahr
1910
Text
Hermann Hesse liest die Ăbersetzung GesprĂ€che des Kung-futse von Richard Wilhelm [Lun yu] [ID D1581], Reden und Gleichnisse des Tschuang-tse von Martin Buber [ID D11978] und Lao-tszes Buch vom höchsten Wesen und vom höchsten Gut (Tao-te-kin) von Julius Grill. [ID D11979].
Adrian Hsia : Durch diese beiden BĂŒcher [Wilhelm und Grill] erhĂ€lt Hesse eine systematische EinfĂŒhrung in den TaoismusâŠ. Die beiden Ăbersetzungen zeigen zwei verschiedene Ausgangspunkte und Interpretationsmöglichkeiten der Ăbersetzer. Grill geht von einer christlich-theologischen und Wilhelm von einer metaphysisch-ontologischen Betrachtungsweise aus. Hesse schĂ€tzte beide Ăbersetzungen, zieht aber die von Wilhelm vor.
Zu GesprĂ€che des Kung-futse schreibt Hesse in : Confucius deutsch. In : Die PropylĂ€en ; Jg. 7 (1910)] : Leicht ist die LektĂŒre nicht, und immer wieder hat man das GefĂŒhl, eine fremde Luft zu atmen, welche von anderer Art und Zusammensetzung ist als die, die wir zum Leben brauchen. Dennoch bereue ich die mit diesen GesprĂ€chen verbrachten Tage nicht⊠Denn als innersten Kern im Wesen des grossen Fremdlings Confucius erkennen wir dieselben Eigenschaften, die wir bei den grossen Menschen der abendlĂ€ndischen Geschichte lĂ€ngst kennen. Wir empfinden Dinge als natĂŒrlich, die uns anfĂ€nglich wie groteske Verirrungen erschienen, und finden Dinge reizvoll, ja schön, die uns zuerst abschreckend trocken vorkamen. Und wir Individualisten beneiden diese chinesische Welt um die Sicherheit und Grösse ihrer PĂ€dagogik und Systematik, der wir nichts an die Seite zu stellen haben als unsre Kunst und unsere vielleicht grössere Bescheidenheit vor der aussermenschlichen Natur.
Adrian Hsia : Durch diese beiden BĂŒcher [Wilhelm und Grill] erhĂ€lt Hesse eine systematische EinfĂŒhrung in den TaoismusâŠ. Die beiden Ăbersetzungen zeigen zwei verschiedene Ausgangspunkte und Interpretationsmöglichkeiten der Ăbersetzer. Grill geht von einer christlich-theologischen und Wilhelm von einer metaphysisch-ontologischen Betrachtungsweise aus. Hesse schĂ€tzte beide Ăbersetzungen, zieht aber die von Wilhelm vor.
Zu GesprĂ€che des Kung-futse schreibt Hesse in : Confucius deutsch. In : Die PropylĂ€en ; Jg. 7 (1910)] : Leicht ist die LektĂŒre nicht, und immer wieder hat man das GefĂŒhl, eine fremde Luft zu atmen, welche von anderer Art und Zusammensetzung ist als die, die wir zum Leben brauchen. Dennoch bereue ich die mit diesen GesprĂ€chen verbrachten Tage nicht⊠Denn als innersten Kern im Wesen des grossen Fremdlings Confucius erkennen wir dieselben Eigenschaften, die wir bei den grossen Menschen der abendlĂ€ndischen Geschichte lĂ€ngst kennen. Wir empfinden Dinge als natĂŒrlich, die uns anfĂ€nglich wie groteske Verirrungen erschienen, und finden Dinge reizvoll, ja schön, die uns zuerst abschreckend trocken vorkamen. Und wir Individualisten beneiden diese chinesische Welt um die Sicherheit und Grösse ihrer PĂ€dagogik und Systematik, der wir nichts an die Seite zu stellen haben als unsre Kunst und unsere vielleicht grössere Bescheidenheit vor der aussermenschlichen Natur.
ErwÀhnte Personen (2)
Themengebiete (3)
- Literatur âș Westen âș Deutschland
- Philosophie âș China âș Konfuzianismus und Neokonfuzianismus
- Philosophie âș China âș Taoismus
Dokumente (1)
| Jahr | Bibliografische Daten | Typ / AbkĂŒrzung | VerknĂŒpfte Daten |
|---|---|---|---|
| 1974 | Hsia, Adrian. Hermann Hesse und China : Darstellung, Materialien und Interpretation. (Frankfurt a.M. : Suhrkamp, 1974). [2nd enl. ed. (1981) ; 3rd ed., with an add. chapter (2002)]. S. S. 56, 95, 97, 105 | Publication / Hes2 |
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